Spielen mit Quantenphysik

Die Quantenphysik dient als ideale Spielwiese für Phantastereien mit wissenschaftlichem Anstrich. Ich spiele sogar selber gern auf diesem Terrain herum – mir haben's die "vielen Welten" von Hugh Everett angetan. Aber es sind eben Spielereien.

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Was ist Tehnologie?

Die Zukunft kann die Vereinigung von THEO-logie und TECHNO-logie in einer TEHNOlogie bringen. Weder der Wahn-Witz der überkommenen Glaubenslehren noch der Aber-Witz der bisherigen Industrialisierung können das letzte Wort sein. Als Menschen können wir das philosophisch erahnen, wissenschaftlich erraten und baukünstlerisch erbringen. Ausführlich dargestellt sind solche Perspektiven in zwei Büchern von Yuval Noah Harari: "Eine kurze Geschichte der Menschheit" und "Homo Deus". Die Menschheit bewegt sich dahin. Mit Haken und Ösen, wie das von einem zusammengewürfelten Haufen Artgenossen nicht anders zu erwarten ist.

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Meinungen diskutiert man

Keineswegs will ich, dass nur meine Meinung zählt. Ich sage nur meine Meinung klipp und klar und warte nahezu sehnsüchtig auf ihre Widerlegung. Relativisten, die sich auf nichts festlegen wollen, könnten kaum miteinander diskutieren.

Ich halte es da mit Einstein & Co., formuliere meine Theorien alias Meinungen, die allesamt prüfungsbedürftig sind, spare mir aber das redundante "ich mein (ja bloß)", weil keine tröstlichen Streicheleinheiten erwarte, sondern Argumente.

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Identität auf Umwegen

Der letzte Satz der Eroica-Sinfonie ist ein Variationensatz. Das Thema erfährt eine Reihe von Veränderungen. 'Was wird da aus ihm?' könnte beim Hören unentwegt gefragt werden. Beethovens Lust beim Variieren scheint darin gelegen zu haben, dass er nicht nur verschiedene Themen dieser 'Prozedur' unterzog, sondern sich auch stets eine andere Prozedur ausdachte. Im Falle des "Eroica"-Themas hat er dieses binnen eines Jahres auf zwei unterschiedliche Weisen sich entwickeln lassen. Er liebte Veränderung, also nicht einfach ein Vielerlei, sondern Verwandlung. Gleichheit und Ungleichheit sollten für ihn bestens zusammenge-hören.

Sein Jahrgangsgenosse Hegel fand dafür den logischen Ausdruck "Identität von Identität und Nichtidentität", also wiederum nicht einfache Identität von Verschiedenem; denn so lebt etwas noch nicht oder spielt sich noch kein echtes Drama ab. Beide 1770er Geistesgrößen scheinen auf der Höhe ihrer Ton- bzw. Denkkunst gar nicht genug Differenzen in das integrierende Werk bringen zu können, so dass man oft anzunehmen versucht ist: 'Jetzt kriegt er aber nicht mehr die Kurve!" Und dann gelingt es doch, dem einen philosophisch, dem anderen musikalisch.

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Alles glauben können

Die Existenz von allen noch so absurden Dingen kann man zu seinem Glaubensinhalt machen.

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Wesensbestimmung psychischer Systeme

Psychische Systeme sind die dem Individuum so eigenen Operationen – wie Denken oder Träumen –, dass kein anderes psychisches oder soziales System unmittelbaren Zugang dazu hat.

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Kritik der Vernunft

Kritikwürdig ist alles Unvernünftige. Einschließlich alles Unvernünftigen an der Vernunft.

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Alles ist natürlich

Alles ist natürlich und bleibt es auch. Die Natur hat allerdings viele Facetten, und manche ihrer Facetten werden von unsereins mit "unnatürlich", "übernatürlich", "denaturiert", "künstlich" usw. ausgezeichnet, als würden sie nicht zur Natur gehören. Stattdessen ist es nur allzu natürlich, beim natürlichen Sprechen zu übertreiben. Die Natur, einschließlich der menschlichen, wandelt sich. Das ist alles.

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Ideal und Realität

Ideales gelangt nie zur Realität, sondern hält gebührenden Abstand.

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Sinnsysteme bei Luhmann

Bei Niklas Luhmann sind organische Systeme im Unterschied zu psychischen und sozialen Systemen keine "Sinnsysteme". Das schränkt ihre Vergleichbarkeit erheblich ein, so eng ein Organismus mit Individuum und Gesellschaft gekoppelt sein mag. Und so ähnlich zwei Systeme einander sein mögen, so einander unähnlich sind sie auch.

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Die zwielichtige Technik

Das Zwielichtige am Menschenwerk wird kaum verschwinden. Auf die eine oder andere Weise kann sich die Menschheit abschaffen.

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Auferstehung dank Technik

Womöglich werden genetisch identische Doppelgänger aller Menschen, die je gelebt haben, irgendwann hervorgebracht werden, die vielleicht sogar an das "Seelen"-Leben der Gestorbenen andocken und so konstruiert sind, dass sie für immer am Leben bleiben, wenn sie möchten. Die Natur und ihre Meisterung durch die Technik geben das womöglich einmal her. Warum sollte so etwas unmöglich sein?

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Natürliches und Künstliches

Die Natur dürfte sich genügend erforschen lassen, um sie künstlich in allen Facetten nach-, um- und weiterbauen zu können.

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Entstehung des Lebens

Das Leben beginnt mit den Elementarteilchen. Die Entstehungsgeschichte jedes Lebewesens nimmt damit ihren Anfang.

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Ich und Welt

Ich ergründe mich selbst, indem ich erforsche, was es mit dem In-der-Welt-Sein (Heidegger: Sein und Zeit) auf sich hat.

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Kunst und Bedeutung

Es gibt keine "wahre" Bedeutung in der Kunst, nur (Selbst- und Fremd-)Interpretationen.

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Kommunismus mit Lohnarbeit

Kommunismus mit Lohnarbeit ist ein Widerspruch in sich. So der Kommunismus im einstigen Ostblock.

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Weisheit als Weisungsbefugnis

"Weisheit" ist die Substantivierung von "weisen". Demnach haben Weise eine ausgezeichnete Weisungsbefugnis, die sie am besten sich selber geben; denn dazu reicht die Kompetenz von weniger Weisen nicht hin.

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Nie alles wissen

Die Unvollständigkeit menschlichen Erkennens ist nicht zu überwinden. Sie kann nur verleugnet werden, wo sie nicht als unendliche Aufgabe begriffen wird, als einzigartiges Geschick eines endlichen Lebewesens mit unendlichem Geist.

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Physik und Metaphysik

Dank der Fortschritte in der Physik wird es immer enger für jede Sorte Metaphysik. Metaphysische Positionen können ebenso stur und unprüfbar verfochten wie angefochten werden. Das haben sie naturwissenschaftlichen Forschungsständen "voraus" oder – wie ich weniger ehrerbietig sagen möchte – das ist ihr mentales Elend. Gläubige von geheimnisvollen Phänomenen findet man jederzeit zuhauf. In dieser Beziehung wird es für Metaphysik freilich nicht eng.

Wissenschaft braucht fortwährend Krisen und zeitweilige "Sackgassen", um voranzukommen, während metaphysische Glaubenssysteme eins ums andere früher oder später nur noch in Hokuspokus-Reservaten ihr allerdings oft zähes "Wiedergänger"-Dasein fristen. Wissenschaft kommt nicht von Wissen, sondern von Nichtwissen, gegen das Behelfslösungen gefunden werden. Dieses Maß von Bescheidenheit will Metaphysikern kaum in den Kopf.

Wissenschaft ist wie Leben, beide kennen Höhen und Tiefen. Deshalb muss man weder das eine noch die andere auf die Müllhalde werfen. Nur die metaphysischen Systeme bestehen aufs Zerbrechen hin.
Mir gefällt es, als wissenschaftlicher Laie das wissenschaftliche Suchen so gut es geht zu begleiten und es mit Glauben und Metaphysik nicht mehr so zu haben, wie das viel zu lange in meinem Leben der Fall gewesen ist.

Die Auslegung großartiger Philosophen (und "Metaphysiker") von der griechischen Antike bis in die Gegenwart bleibt mir über den naturwissenschaftlichen Bezug hinaus eine mehr als gelegentliche Übung, auf die ich mich immer wieder gern konzentriere – um einer eigenen "Theorie" willen, wie wenig 'spruchreif' die auch geraten mag.

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Kein Wort Gottes

Ich kenne kein "Gotteswort", nur menschlich-allzumenschliches Gedankengut in allen Religionen und sonstigen Theo-rien, Gedankengut von einfallsreichen bis anmaßenden Autoren.

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Autor mit Anhang

Ist es nicht selbstverständlich, bei ernsthaftem Erkenntnisstreben, egal zu welchem Gegenstand, auch andere zu konsultieren? Und doch kann dabei von einer selbstständigen eigenen Arbeit gesprochen werden. So pflegen viele Autoren, die ein eigenes Sachbuch vorlegen, in dessen Vor- oder Nachspann Leute namentlich zu erwähnen, denen sie wertvolle Auskünfte und Hinweise verdanken.

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Das gottlose Unendliche

Mein Wort statt "Gott": das Unendliche. Ich benenne damit kein Attribut eines "höchsten" Wesens, sondern das, was nach Abzug aller illusionären Ausschmückungen, insbesondere Vergottungen, davon bleibt: eine mathematische Größe. Wissenschaftlich auf "Gott"-Suche zu gehen, hat etwas Skurriles, von dem ich mich abwende.

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Sich selbst ergründen

Bei einer Selbstergründung könnte man naturalistisch ansetzen und die eigene Entstehungsgeschichte seit dem Urknall bis zu den nächsten Vorfahren und dem Werdegang im Mutterleib elementarteilchenphysikalisch bis molekulargenetisch nachvollziehen. Humanmedizinisch könnte anschließend die eigene körperliche Verfassung durchgecheckt werden. Eine psychosoziale Autobiographiearbeit würde die Spiegelung weitertreiben. Fehlt nur noch der Rest von "Leben und Werk".

Wer zu einer Person forscht, stößt auf ganz ähnliche Probleme bei der eigenen wie bei einer anderen Person. Man hat es jedesmal, nicht nur metaphorisch gesprochen, mit einer ganzen Welt zu tun, mit nicht mehr und nicht weniger.

Da ich im Wesentlichen ein Menschenkind bin und als dieses ein Lebewesen und als dieses ein Energiebündel, hat bei meiner 'Selbstspiegelung' ein entsprechendes Biologie- und Physik-'Studium' eine mehr als nur periphere Rolle zu spielen. Es ist also durchaus nicht verkehrt, hier "das Pferd von hinten aufzuzäumen" und dabei abzuwarten, ob die naturwissenschaftlich inspirierte Selbstbeschreibung überhaupt noch etwas zu wünschen übrig lässt und sich nicht vielmehr auch alles "Persönliche" an mir in ein durch und durch mechanisches Wohlgefallen auflöst. Ich neige dazu, dieses Vorgehen als eine überaus weltoffene Selbstergründung zu verstehen, und vermute entsprechend stark, dass das Weltall alles in sich hat. (Vielleicht 'muss' ja ein All-mann so denken!)

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Wandel der Warumfrage

Das Philosophieren zeichnet sich eher dadurch aus, das Warum zu denken (was es zutiefst damit auf sich hat) als dadurch, es mit einem Darum (leichtfertig doktrinär) wegzudenken. Eines von Nietzsches nachgelassenen Fragmenten (November 1887 - März 1888) lautet:
"Ist man über das "Warum?" seines Lebens mit sich im Reinen, so giebt man dessen Wie? leichten Kaufs. Es ist selbst schon ein Zeichen von Unglauben an Warum?, an Zweck und Sinn, ein Mangel an Willen, wenn der Werth von Lust und Unlust in den Vordergrund tritt und hedonistisch-pessimistische Lehren Gehör finden; und Entsagung, Resignation, Tugend können zum Mindesten schon Zeichen davon sein, dass es an der Hauptsache zu mangeln beginnt. / Dass man sich ein Ziel zu geben weiß – – –"
Ohne gleich alles, was er dort sagt, zu interpretieren oder zu beurteilen, wird eines schon deutlich: Mit dem "Warum?" ist eine Antwort auf die umfassende und grundlegende Warum-Frage gemeint, eben auf die (metaphysische) Frage nach der "Hauptsache", von Nietzsche mit "Zweck und Sinn" (des Lebens) umschrieben. So fragwürdig die Antwort sein und bleiben mag. Diese Fragwürdigkeit – Frag-Würdigkeit – wäre bei der Wortwahl "Darum" (statt "Warum") nicht mehr angesprochen.

Wer ähnlich leichtfertig das "Warum?" korrekturbedürftig findet, könnte auch das "Wozu?" bevorzugen, weil gewöhnlich ein Warum sich eher auf Grund (und Ursache) als auf den Zweck (und Sinn) des in Frage Stehenden bezieht. Dabei wird jedoch verkannt, dass die metaphysischen Grundstellungen der philosophischen Denker mehr und mehr die Woher- zugunsten der Wohin-Thematik an den Rand drängen. Das "Warum?" hat einen entsprechenden Bedeutungswandel erfahren, gerade auch bei Nietzsche.

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Interpretation als Begegnung

Jede Interpretation ist eine Begegnung, die so unterschiedlich ausfallen kann, wie Begegnungen ausfallen können. Dabei ist die Frage durchaus offen, welche "Seite" die maßgebende ist, die "auslegende" oder die "vorliegende". Interpreten können ergriffen, eingenommen, ja, besessen von ihrem "Gegenstand" sein. In rationalerer Hinsicht gibt es eine (hermeneutische) Verstehenskunst, die es nicht bei eigenen oder sonstigen "Vor"-Verständnissen belässt, sondern sie (selbst-)kritisch hinterfragt mit Rücksicht auf womöglich übersehene oder vernachlässigte Momente oder ganze Dimensionen, die das Vorliegende (phänomenal) zu verstehen "gibt" bzw. worauf Interpreten einander aufmerksam machen können. Zugleich können all solche Vor- und Rücksichtsmaßnahmen in den Wind geschlagen werden, indem der Interpret das zu Interpretierende für einen (ideologischen) Sinnzusammenhang zu vereinnahmen gedenkt, den er unter keinen Umständen zu relativieren bereit ist. Wie gesagt, eine Interpretation kann jede Qualität haben, worin sich Begegnungen überhaupt unterscheiden.

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Von wegen "Wahrheiten"

Alle, die "meine Meinung" statt "meine Wahrheit)" sagen, treffen den Nagel auf den Kopf und legen diese ungeniert auf den Prüfstand für (Noch)-Nicht-Wahrheit(en).

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Nichts gegen Neologismen

Jedes gebräuchliche Wort war einmal ein Neologismus – dank Menschen mit Ideen.

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Welt und Weltbild

Weltbilder sind Modelle, die von vornherein nur vereinfachte (Auf-)Fassungen der Welt sein können und entsprechend nur zum Revidiertwerden zu gebrauchen sind. Das heißt indessen, sie sind zu etwas Lehrreichem zu gebrauchen. Und das ist doch wohl eine feine Sache!

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Täuschung meines Spürsinns?

Es kommt mir vor, als hätte sich die Industrie-Gesellschaft nach Auschwitz und Hiroshima geschworen, dass Menschheitskatastrophen von solchen Ausmaßen nie wieder geschehen dürften – aber dass "wir" den Zucht- und Wildtieren, den Urwäldern, Erdböden, Eisbergen, Meeren und luftigen Höhen (fehlt noch was?) fortan einmal so richtig zeigen wollten, wo der Hammer hängt, und damit ganze Arbeit leisten mochten. So kann jedes "Verbrechen gegen die Menschlichkeit" umgangen werden, bringt es doch auch dieser "Umweg" voll.

Zu gern hätte ich unrecht – und alles wäre halb so schlimm. Und dass das derzeitige umfassende Zugrunderichten ebenso wie bei Auschwitz und Hiroshima politisch gewollt sei, habe ich als Fiktion ("Es kommt mir vor, als ...") gekennzeichnet. Ich hätte stattdessen auch fingieren können: Es ist, als ob sich (eingedenk von wohl nicht fingierten Messdaten) in diesem Jahrhundert die unheilvollen Ereignisse überstürzten. Wie gesagt: zu gern hätte ich Unrecht und erwarte ich stärkere Gegenargumente als etwa den zudem zynischen Induktionsschluss 'Es hat sich doch bisher (gerade auch nach dem Zweiten Weltkrieg) immer alles zum Besseren (oder zumindest zu einer erträglichen Normalität) gewendet. Das Etikett "zynisch" bezieht sich nicht auf den Prognose-, sondern auf den Diagnose-Teil des 'Erfahrungsbeweisgangs', in dem so getan wird, als könnte auf vollendete Ungeheuerlichkeiten je ein ungebrochenes Wohlergehen der Nachgeborenen (von den Überlebenden nicht zu reden) folgen. Die menschliche "Weltgeschichte" erlaubt gewissermaßen nie ein 'Übergehen zur Tagesordnung', nicht nur weil diese bereits im 'Normalbetrieb' ständig mehr oder weniger zur Erneuerung der Misere ansetzt, sondern weil sich auch dem überaus humanen Wesenszug des Gedenkens selbst die ungetrübtesten ferneren Glücksmomente nurmehr innerhalb einer ausgemachten Tragödie zeigen können. So lässt lästig zwar sich noch menschlich leben. Sogar gern, denn unsereins ist immens 'belastbar'.

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Aus Schaden klug?

Es gibt kein Naturgesetz, wonach selbst ein spätes Klugwerden noch zum Beheben eines schweren Schadens führt. Ebenso wenig ist sicher, dass ein Katastrophenszenario wachrüttelt. Immerhin könnte eine rücksichtslose „Schwarzmalerei“ den menschlichen Erfindungsgeist eher zu unerwartet weitreichenden Fehlerkorrekturen animieren, als das dank frohgemuter „halb so schlimm“-Botschaften der Fall sein dürfte.

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Mich gibt's zufällig

Zufällig fanden die beiden mich hervorbringenden Zellen – eine Eizelle meiner Mutter und eine Samenzelle meines Vaters – bei einem Geschlechtsverkehr zu einem bestimmten Zeitpunkt im Sommer 1951 zueinander. Beim selben Sexualakt hätten Millionen anderer menschlicher Individuen entstehen können; denn eine entsprechende Anzahl von Spermien hatte sich infolge des väterlichen Samenergusses auf denselben Weg begeben.

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Zu teurer Wohlstand

Wohlstand beruht auf optimalen Lebensbedingungen. Die sind gegeben, solange die gewinnträchtige Ausbeutung von Natur und Mensch – das "Wachstum" – den Bogen nicht überspannt. Auf diesen humanökologischen Kollaps lassen es die treibenden Kräfte der politischen Ökonomie ankommen. Bis zuletzt, wie es scheint, wird die "Blase" mit aller Macht ausgekostet. So nobel könnte diese Welt zugrunde gehen.

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Abgesang aufs Absolute

Es versteht sich, dass die deutschen Idealisten dem Absoluten frönten. Die diesen "Gott der Philosophen" (Weischedel) zu beweisen vermeinende Tradition der Metaphysik hat sich bei ihnen noch einmal gegen das kritische Denken der Aufklärung und das Fortschreiten der modernen Wissenschaft aufgebäumt. Gerade Hegel und Schelling komponierten einen unheimlich starken Abgesang.

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Sichverschwenden als Sichverschenken

Wer sich für jemanden oder etwas verschwendet, verschenkt sich dabei. Dieses amoralische Sichverschwenden bzw. Sichverschenken setzt etwa Nietzsche Schopenhauers Mitleidsethik entgegen.

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Materielles und Immaterielles

Davon, dass die physische Welt und damit die Naturforschung neben Materiellem auch Immaterielles umfasst, zum Beispiel Information, wird die Metaphysik keine physikalische Disziplin, sondern vielmehr ein außer- oder pseudowissenschaftliches Unterfangen.

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Weisheit der Wissenschaft

Wer es für möglich hält, dass sein Glaube – selbst nach vielfacher Bewährung – ein Irrglaube ist, kennt die Weisheit der Wissenschaft.

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Summen von Teilen

Entgegen der beliebten, von Aristoteles entlehnten Floskel "Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile" möchte ich zu bedenken geben, dass jede Summe bereits ein Ganzes ist, nicht nur jene, wonach eine bestimmte Rechnung aufgeht. So vermag ich etwa den Mehrwert von "bloßem" Stückwerk – wie Walter Benjamins "Passagen" oder Walter Kempowskis "Echolot" – hoch einzuschätzen.

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Teile und Ganzes

Ein Ganzes kann man nur für mehr als die Summe seiner Teile halten, wenn man die Teile entsprechend geringschätzt, was allein schon der "Teile"-Begriff nahelegen soll. So wird es zum Unwahren, Totalitären. Tatsächlich ist jeder noch so punktuelle Moment ein Mittelpunkt, dessen Unverwechselbarkeit – "Nichtidentität" nach Adorno – eine wahre Gestalt des Ganzen ist.

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(Keine) Zeit haben

Wer Zeit verschwendet, hat Zeit. Wer keine Zeit verschwendet, hat keine. Siehe das alltägliche Treiben und Keine-Zeit-Haben der Menge.

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Macht ohne Schwindel?

Schwindel kann man in der Politik bei keinem und keiner völlig ausschließen. Wer einen gehörigen Willen zu ihr hat – wie bei Weitem nicht nur ein Trump –, wird kaum ohne Schwindel an die Macht gelangen und an ihr bleiben können.

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Machtkontrolle ist zeitraubend

Wer in einer funktionierenden Demokratie Machthaber geworden ist, muss jederzeit mit der Machtkontrolle leben – oder (wenn nicht ausdrücklich, dann quasi) den Ausnahmezustand verhängen, um zeitsparender zu schalten und zu walten.

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Zeit ist ... mehrdeutig

Es gibt unter Menschen wohl sehr unterschiedliche Zeitverständnisse. Dadurch ist es spannend, wie sich zum Beispiel Unterhaltungen über Zeitverschwendung ausnehmen. Überhaupt regen Mehrdeutigkeiten ungemein zum Philosophieren an, zum sublimsten Gebrauch der Gedankenfreiheit.

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Physik sticht Metaphysik

Der Natur-Technik-Komplex ist dabei, das scheinbar "übernatürliche (metaphysische)" Sein von Geist und Seele derart einzukreisen, dass sie in der vieldimensional-physikalischen Charakteristik restlos aufgehen. Die Empfindungs- und Bewusstseinsphänomene sind sowohl biologisch-evolutionär herleitbar als auch etwa pharmazeutisch manipulierbar als auch in absehbarer Zeit KI-technisch generierbar.

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Technik des Menschseins

Gleichermaßen technisch, näherhin "anthropotechnisch" (Sloterdijk) aufgestellt sind die moderne Psychologie der Individualentwicklung und antike Philosophenschulen (Stoa, Epikureer und weitere), und im diesen Sinn einschließenden Vollsinn des Wortes dürfte es technologisch weitergehen.

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Metaphysik wird Megaphysik

Die in ihren Anfängen ausgesprochen bedächtige Philosophie hat sich mehr und mehr als universelles naturwissenschaftlich-technisches Problemlösungsprojekt entpuppt. Was können philosophisch Aufgeweckte heute noch Besseres tun, als sich für Module dieses Projekts zu begeistern und zu qualifizieren, um ihm zuzuarbeiten?

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Tod als Auflösung

Alle Atome, die ein gestorbener Mensch in seinem vergänglichen Leben als Bestandteile in sich getragen hat, bleiben in der Welt. Nur mit dem Gesamtorganismus ist es aus und vorbei. Dafür spricht zumindest sehr viel, ganz offenbar die bereits unmittelbar nach dem Tod beginnende (und bei Feuerbestattung beschleunigte) Auflösung. Das Fünkchen Hoffnung, die sich jede/r auf eine Rekonstruktion des eigenen individuellen Seins bewahren kann, ist naturwissenschaftlich nicht völlig auszuschließen, gehört freilich ins höchst spekulative Terrain.

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Gegen den Tod

Gegen den Tod denken alle in irgendeiner Weise an, sei es, dass man ihn als Verwandlung deutet, eine Auferweckung erhofft, lediglich den Leib und nicht die Seele für sterblich hält, das Nichtsein positiver besetzt als das Sein usw. usw. Mein Gegen-Gedanke ist ein äußerst profaner: eine zukünftige Technologie könnte einmal jeden toten und sogar jeden zuvor noch nicht zum Leben gelangten Menschen künstlich (wieder) zusammensetzen. Man frage mich nicht, wie! Heute gibt es ja noch nicht dieses Know How. Aber, wie gesagt: in aller Welt und jederzeit sind Artgenossen dabei, sich irgendeine Lösung des Todesproblems auszudenken, sofern sie sich nicht eine bereits ausgedachte vorgeben lassen und sich auf sie einschwören.

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Zuvor unglaubliches Neues

"Das ist nun mal so, das war schon immer so" – das hat man bestimmt schon sehr oft gesagt und gehört, bevor Altes durch Neues ersetzt wurde. Ich denke nicht so rückwärtsgewandt. Dazu gibt es einfach jederzeit zu viel Neues und zuvor für "unmöglich" Gehaltenes.

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Die Natur entwaffnen

Sterben ist ein ebenso schweres Vergehen wie Töten. Die Natur gehört in den Knast. Wer ist dabei, ihr das tödliche Handwerk zu legen?

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Von empathischer Rationalität

Es ist rational, als Werbender suggestiv auf potentielle Käufer zu wirken, aber bestimmt rationaler, sich vorher zu überlegen, ob man für eine gute Sache wirbt, und es daraufhin möglichst vermeidet, andere durch Anpreisung von Schund für dumm zu verkaufen. In diesem Fall kann man wohl von rationaler Empathie sprechen, weil die Beachtung der Menschenwürde, also eines Höchstwerts der praktischen Vernunft, jedem besonderen Sicheinfühlen weitgehend vorgreift.

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Begriffe implizit definieren

Die Verwendung im Gesprächskontext, wenn es sich nicht um ausgesprochene Fachtermini handelt, ist immer die angemessenste Weise, zu erfahren, was mit diesem oder jenem Begriffgemeint ist. So etwas kann man implizite Definition nennen, der ich beim Philosophieren entschieden den Vorzug gebe vor der so kurzsichtigen wie geisttötenden "expliziten".

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Alles ist möglich

Meinen minimalen Anteil von Einflussnahme in der Welt will ich mir nicht entgehen lassen. Wie der dann früher oder später wechselwirkt mit allen mehr oder weniger genutzten Anteilen aller anderen, ist so offen, dass zwischen gar nichts und einer Zeitenwende alles möglich ist. Das Dazwischen enthält indessen ein gut erreichbares Optimum: ein paar Schritte bei einem überschaubaren Herzensanliegen – welcher Art auch immer – voranzukommen.

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Ordnung trotz Brandung?

Menschen gibt es in einer Unzahl von Exemplaren, also in einer ähnlich verschwenderischen Menge wie alles andere in der Natur, von den Galaxien (oder gar 'Parallelwelten') bis zu den Quanten. Da können manche sich berufen fühlenden Artgenossen für eine noch so großartige Ordnung oder Übersicht sorgen wollen: es geht schier endlos drunter und drüber. Natürlich klammert man sich dann gern an vermeintliche Felsen in der Brandung, doch "selbst die festen Felsen beben" (Goethe).

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Gesetzmäßigkeiten der Geschichte?

Die Fülle der Randbedingungen ist zu jeder Zeit derart unterschiedlich, dass von irgendwelchen'Gesetzmäßigkeiten der Geschichte' überhaupt keine Rede sein kann. Immer nur erst im Nachhinein vermag man die historische Materialfülle so (oder so) zurechtzurücken, dass alles Mögliche "schon einmal (oder mehrmals) da gewesen" sei. Je genauer man hinschaut und je besser man beobachtet, umso unverwechselbarer und unvorhersehbarer zeigt sich alles.

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Voraussagen im Horoskop

Im Horoskop der bunten Blätter pflegen praktisch alle Voraussagen irgendwie auf mein Leben zuzutreffen, auch die der anderen Tierkreiszeichen – sind sie doch in der Form von Allerweltsankündigungen geschrieben.

Beethoven bei Mozart

Wolfgang Amadeus Mozart und Ludwig van Beethoven lebten 21 Jahre lang gleichzeitig, vom Dezember 1770, als Beethoven geboren wurde, bis zum Dezember 1791, als Mozart knapp 36-jährig starb. Von diesen gut zwei Jahrzehnten hielten sich beide zusammen nur etwa sechs Wochen am selben Ort auf, nämlich in Wien. Dorthin reiste der 16-jährige Beethoven zur Jahreswende 1786/87 von seiner Heimatstadt Bonn aus. Als er Mitte Januar in Wien eintraf, weilte Mozart gerade in Prag, von wo der wegen seines "Figaro" überschwänglich Gefeierte in der ersten Februarhälfte zurückkehrte [1]. Beethoven reiste in der zweiten Märzhälfte wieder ab. Es ist ungewiss, ob sie sich in Wien begegnet sind. Vielleicht nur so beiläufig wie in der von Margret Steenfatt vorgestellten Szene:

[Er] war vor dem Carmesinischen Haus in der Domgasse Nr. 5 angelangt. Hier sollte Wolfgang Amadeus Mozart mit seiner Frau Constanze wohnen. / Wenn Ludwig wollte, konnte er mit einem Empfehlungsschreiben hineingelangen und Mozart die Grüße des Kurfürsten Max Franz überbringen. / Ludwigs reiche Gönner in Bonn, die ihm die Reise bezahlten, erwarteten von ihm, dass er den "König im Reiche der Tonkunst" besuchte oder andere Berühmtheiten wie Christoph Willibald Ritter von Gluck oder Joseph Haydn. / Pah! dachte Ludwig, bin ich vielleicht ein Hofnarr? / | Er wollte eben umkehren, da kam eine Karosse vor das Haus gefahren. Der Kutscher zügelte die Pferde, stoppte, sprang vom Bock und riss die Wagentür auf. / Ein zierlicher Kavalier mit hübsch frisierten Locken, der seine Zöpfchen mit einer Samtschleife gebunden trug, reichte seiner Dame die Hand. / Wie schön sie war! Sie lachte fröhlich, raffte mit der Linken den weiten Rock aus weißem Atlas, setzte ein zierliches Füßchen in Knopfstiefeln auf das Trittbrett und stieg aus. / Mit einem flüchtigen Blick streifte sie den jungen Mann in Reisekleidern, der nur wenige Meter entfernt an einem Mauervorsprung lehnte. / So also lebt man berühmt in Wien, dachte Ludwig. In einem Herrschaftshaus in Wohlstand mit einer Frau wie eine Prinzessin. / Ludwig aber ging seiner Wege [...] [2]

Der junge Mann aus Bonn, er war dort Hoforganist, hatte also ein Empfehlungsschreiben für den berühmten Sohn der Stadt Salzburg auf die Wienreise mitbekommen. Beide 'Wiener Klassiker' sind keine gebürtigen Wiener gewesen. Sie waren indessen von Kindheit an Untertanen desselben Kaisers aus dem Hause Habsburg, der in Wien residierte: Josephs des Zweiten. Einige Autoren, darunter Fritz Zobeley [3], zogen in Betracht, dass Beethoven am Ostersonntag 1787 den Sohn und Thronfolger Maria Theresias im Rahmen einer Festoper zu Gesicht bekam. Ein wenig anders gefasst hat diese Möglichkeit Veronika Baum, die den jungen Ankömmling vergebens an Mozarts Haustür klopfen und ihm eine Karte des verehrten Meisters aushändigen lässt – folgenden Inhalts:

Werter Herr Beethoven! Bitte nehmen Sie es mir nicht übel, dass ich Ihnen weiland noch keinen ordentlichen Empfang bereitet habe. Schon am morgigen Tage wird sich Ihro Schicksal wenden. Ihre Kaiserliche Majestät Joseph II. bittet Ihro selbst und meine Wenigkeit nach Tisch zu einer Audienz in privatissimo. Lassen Sie uns also bei Hofe einen kleinen Wettstreit am Klavichord austragen. Adieu! Ihr ergebener Wolfgang Amadeus Mozart [4]

Ostern 1787 fiel übrigens auf den 8. April. Zwei bis drei Wochen zuvor hatte Beethoven bereits die Rückreise aus Wien angetreten. Die Vermutung eines Treffens beim Kaiser geht zudem lediglich auf den sehr unzuverlässigen Chronisten Anton Schindler [5] zurück.

Immer wieder heißt es in Beethoven-Biographien und -Chroniken, eine Wiener Begegnung mit Mozart sei zwar nicht dokumentiert, doch wahrscheinlich. Zwischen Mitte Januar und Ende März könnten eine oder mehrere Unterrichtsstunden bei den Mozarts in der Domgasse 5 stattgefunden und der Ältere gegenüber anderen Besuchern den vielzitierten Spruch getan haben: "Auf den gebt acht, der wird einmal in der Welt von sich reden machen." Womit der 16-Jährige sein Idol derart beeindruckt haben könnte, ist eine Frage an Kenner von beider Tonkunst geworden. Und so hat sich eine Anekdote ergeben, die von Ulrich Rühle wie folgt auskomponiert worden ist:

"Komm setz dich her, junger Mann, und zeig uns, was du gelernt hast." Der junge Mann nahm am Klavier Platz. "Na, was spielst? Aber wenn ich bitten darf, nix von mir", lachte Mozart. / Die Herren hatten sich in ihren Sesseln zurückgelehnt und lauschten dem Klavierspiel des jungen Pianisten. Zuerst spielte er eine Fuge aus dem 'Wohltemperierten Klavier' von Johann Sebastian Bach. Er war so aufgeregt, dass er glaubte, noch nie so schlecht gespielt zu haben. / "Na Bub, recht nett hast gespielt, nach einem Stück kann man noch nichts rechts sagen, freilich hast Talent." / "Herr Mozart, ich weiß, dass ich schlecht gespielt habe, aber wenn Sie noch etwas Zeit haben, würde ich gern noch etwas improvisieren." / "Aha, möchts a bisserl phantasieren, einverstanden. I geb dir a Thema. Da auf dem Klavier liegt a Notenblatt, a Stückerl aus meiner neuen Oper 'Don Giovanni'." / Die Augen des jungen Mannes wanderten rasch über das Notenblatt. Er sammelte sich kurz und begann die kleine tänzerische Melodie einstimmig vorzutragen. Mozart schüttelte lächelnd den Kopf. Aber schon hörte er sein Thema wieder, diesmal aber mit herrlichen, kühnen Harmonien versehen. Jetzt wurde Mozart ernst. Mit gespannter Aufmerksamkeit lauschte er dem musikalischen Schauspiel. Sein Thema erschien in immer neuen Farben und Formen, verschwand und kam wieder zum Vorschein. "Ein kleiner Teufelskerl, dieser Bub", flüsterte er vor sich hin. / Als der junge Pianist mit wuchtigen Fortissimo-Klängen geendet hatte, saß Mozart ganz versunken in seinem Sessel. Dann beugte er sich zu den Herren hinüber und meinte leise: "..." [6] – siehe oben!

Aus der Feder eines späteren Deuters dieser vielleicht nur legendären Begebenheit ist der Gedanke geflossen, dass Mozart 1787 musikalisch womöglich mehr von Beethoven profitierte als dieser von jenem. Es war Richard Wagner, der so dachte und es in seinem Aufsatz anlässlich des Beethovenjahrs 1870 mit diesen Worten ausgedrückt hat:

Von seiner Begegnung als Jüngling mit Mozart wird uns erzählt, er sei unmutig vom Klavier aufgesprungen, nachdem er dem Meister zu seiner Empfehlung eine Sonate vorgespielt hatte, wogegen er nun, um sich besser zu erkennen zu geben, frei phantasieren zu dürfen verlangte, was er denn auch, wie wir vernehmen, mit so bedeutendem Eindruck auf Mozart ausführte, dass dieser seinen Freunden sagte: "Von dem wird die Welt etwas zu hören bekommen". Dies wäre eine Äußerung Mozarts zu einer Zeit gewesen, wo dieser selbst mit deutlichem Selbstgefühle einer Entfaltung seines inneren Genius zureiste, welche bis dahin aus eigenstem Triebe sich zu vollziehen durch die unerhörten Abwendungen im Zwange einer jammervoll mühseligen Musikerlaufbahn aufgehalten war. Wir wissen, wie er seinem allzufrüh nahenden Tode mit dem bitteren Bewusstsein entgegensah, dass er nun erst dazu gelangt sein würde, der Welt zu zeigen, was er eigentlich in der Musik vermöge. [7]

Dem eigenen Tod ganz nah war Mozart in den ersten Monaten des Jahres 1787 noch nicht, wohl aber sein Vater Leopold (67), der am 28. Mai in Salzburg starb. Ihn betrauerte er ebenso tief wie zwei beste junge Freunde etwa zur selben Zeit. Beethoven musste sich nach seiner Abfahrt aus Wien – ein Abschied für mehr als fünf Jahre – beeilen, um in Bonn seine 40-jährige Mutter Maria Magdalena noch vor ihrem Sterbetag, dem 17. Juli, anzutreffen. Sein einziges verbliebenes Schwesterchen Maria Margarete Josepha folgte ihr, 18 Monate jung, noch vor Jahresfrist. Der Rest kann – fast nur – Schweigen, Stille oder große Musik sein: Sound of Silence.

QUELLEN

[1] Dieter Haberl: Beethovens erste Reise nach Wien. Die Datierung seiner Schülerreise zu W. A. Mozart, Neues Musikwissenschaftliches Jahrbuch, 2006, 215-255

[2] Margret Steenfatt: Auch ich bin ein König. Ludwig van Beethovens Kindheit in Bonn, Boje 1988, S. 191-192

[3] Fritz Zobeley: Ludwig van Beethoven in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten, Rowohlt 1965, S. 23

[4] Veronika Baum: Beethoven will Mozart treffen, BR Kinder 12.12.2015


[5] Jan Caeyers: Beethoven. Der einsame Revolutionär. Eine Biographie, C. H. Beck 2013, S. 86

[6] Ulrich Rühle: "...ganz verrückt nach Musik". Die Jugend großer Komponsten, dtv junior 1995, S. 116-118

[7] Richard Wagner: Beethoven. Mit dem nicht veröffentlichten Schluss von 1871, Sammlung Hofenberg 2015, S. 22-23


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